Für viele Spielsüchtige lauert die Gefahr hinter der österreichischen Grenze. Im Grenzgebiet von Tschechien tummeln sich die Casino-Betreiber. Ein Schlaraffenland für Freunde des Glücksspiels. Doch ein Besuch dort kann sehr schnell zum Albtraum werden. Das Casino Imperator zeigt federführend, wie Spielerschutz völlig ignoriert wird.

Aus Spaß wird Albtraum

Spielsüchtige aus Österreich fahren nicht selten an naheliegende Grenzen, um ihrer Lust und Sucht nachgehen zu können. Günstige Massagen, Essen oder Zigaretten sind häufig ein beliebtes Alibi-Motiv gegenüber ihren Bekannten, um ihnen gegenüber ihren Besuch zu plausibel zu machen. “Und weil ich schon da war, hab ich mir gedacht ich probiere kurz mein Glück im Casino”. Der teure Casino-Besuch wird dann bagatellisiert.

Spielerschutz-Horror im Casino Imperator

Verfügbare Spielerschutz-Maßnahmen gibt es in den Casinos an der österreichisch-tschechischen Grenze so gut wie nicht. Die in Österreich bekannte Selbstsperre wird überall angeboten, in den meisten Fällen stellt das ausgestellte Formular jedoch nur einen Fake dar. In allen bekannten Fällen konnte die Sperre bei einem weiteren Besuch sofort storniert werden oder es musste maximal 1 Woche gewartet werden.

Ein Casino-Manager erklärte der Spielerhilfe, dass es in der Tschechei kein Gesetz für eine mögliche Selbstsperre gibt. Die Zettel sind also eine Alibi-Handlung, die Spielsüchtigen werden dadurch nicht geschützt.

“Sie wollen die Sperre aufheben? Kein Problem, dann werfen wir den Zettel einfach weg”

so ein Casino-Mitarbeiter im Umgang mit selbst gesperrten Spielern. Der betreffende Mitarbeiter holte einen Ordner mit dem beim letzten Besuch ausgefüllten Sperrformular, und zerriss dieses. Aus Sicht des Casinos war damit das Problem aus der Welt geschafft.

Limit als einzig effizient zugelassene Spielerschutz-Methode

Glücksspiel-Süchtige sind oft verzweifelt. Teilweise wissen sie ganz einfach nicht, wie sie das Spiel beenden sollen. Insbesondere dann, wenn sich Maßnahmen wie eine Selbstsperre als Fake herausstellen. Die einzig funktionierende Maßnahme in tschechischen Casinos stellt das Setzen eines Limits dar. Dabei setzt sich der Spieler selbst ein Limit für Verluste, zum Beispiel 1 Euro pro Tag. Im Endeffekt kommt dies einer Selbstsperre gleich, hat jedoch den Vorteil dass dieses Limit im System des Casino-Anbieters elektronisch hinterlegt werden muss. Dadurch muss es auch bei einer gewünschten Änderung der Limits durch den Gast eine 7-tägige und vorgeschriebene Wartefrist einhalten. Doch im Casino Imperator, an dem auch der Glücksspielgeräte-Hersteller Apex eine Beteiligung hält, nimmt man diese gesetzlichen Vorschriften nicht ernst.

Casino Imperator verstößt gegen gesetzliche Auflagen

Casino Imperator
Das Casino Imperator verletzte mehrfach den gesetzlich auferlegten Spielerschutz. Foto: privat/Spielerhilfe

Mehrere der Spielerhilfe bekannte Personen ließen sich ein Limit beim Casino-Betreiber “Casino Imperator” in Dolni, nahe Wullowitz, setzen. Bei einem weiteren Besuch, trotz gesetztem Limit, hielt sich der Betreiber nicht an die gesetzliche 7-tägige Wartefrist bei Änderungen. Ein Manager des Casinos sagte, “er lege nun ein zweites Spieler-Profil” für dieselbe Person im System an. Ein Vorgang, der rechtlich nicht erlaubt ist. Der Spieler erhielt darauf hin eine zweite Spielerkarte ohne Limit ausgehändigt. Das Spiel konnte sofort weitergehen.

“Sag das ja nicht deinem Anwalt, sonst bringe ich dich um”

sagte der Manager mit ernstem Gesichtsausdruck zum Gast. Diese Drohung wurde keinesfalls als Morddrohung verstanden. Er wollte wohl damit unterstreichen, dass er gerade selbst gegen gesetzliche Auflagen verstoßen hat und wollte so den Gast etwas einschüchtern. Das Geld des Gastes war ihm wichtiger, als sein korrektes Vorgehen oder der Spielerschutz.

Vom Casino-Manager bestätigte Totalsperre war wertlos

Aus Verzweiflung ließen sich selbige Personen erneut mittels einer Eigensperre im Casino sperren. Ein zuständiger Manager wurde dazugeholt, mit der Bitte diese Sperre zu unterzeichnen. So sollte sichergestellt werden, dass sich das Casino endlich verbindlich daran hält, den Spielerschutz ernst zu nehmen. Doch auch diese Vereinbarung wurde umgehend gebrochen. Nur zwei Wochen später wurde auch diese Eigensperre vom Casino Imperator aufgehoben, das Spiel konnte erneut weiter gehen.

Totalsperre ignoriert - Mit Unterschrift des Managers vom Casino

Im Casino Imperator gibt es de facto keinen Spielerschutz. Die gesetzlich vorgeschriebene Wartefrist bei Änderungen von selbst gesetzten Limits wurde in mehreren Fällen einfach ignoriert. Die oben dargestellte Eigensperre eines Spielers (mit Unterschrift des Casino-Managers rechts unten, am Bild geschwärzt) wurde ebenso sofort wieder aufgehoben.

Eintrag in landesweite Sperrdatenbank nicht möglich

Auf Anraten der Spielerhilfe versuchte sich eine der betroffenen Personen im Casino in die mittlerweile eingeführte landesweite Sperrdatenbank für Glücksspiel eintragen zu lassen. Dadurch ist eine weitere Teilnahme am Casino-Spiel in der gesamten Tschechei nicht mehr möglich. Ein zuständiger Casino-Manager vor Ort sagte zum Gast, “er wisse nicht wie das geht – sein Kollege macht das”. Darauf hin vereinbarten sie, er solle morgen um 16 Uhr erneut in das Casino kommen, um diese Sperre gemeinsam mit dem anderen Manager vorzunehmen. Der Gast kam – die Manager waren bis 20 Uhr 30 noch immer nicht anwesend. Nach mehr als 4 Stunden Wartezeit fuhr er erneut nach Hause. Spielerschutz im Casino Imperator?

Keine Stellungnahme

Mehrere Anfragen an das Management und die Geschäftsleitung des Casino Imperator blieben unbeantwortet. Daraufhin wurde seitens der Spielerhilfe der Miteigentümer, der Geschäftsführer der Apex Gaming, kontaktiert. Dieses Unternehmen verwaltet über eine Investment-Firma eine Beteiligung an diesem Casino.

Via E-Mail teilte man uns von Seiten Apex, einem Miteigentümer des Casino Imperator, noch vor wenigen Tagen mit:

Der Spielerschutz ist uns ein immens wichtiges Anliegen.

Angesichts der Tatsachen in diesem Bericht und der angekündigten, aber nicht gelieferten Stellungnahme des Casino Imperator, kann diese Aussage als wertlos betrachtet werden.

Apex Antwort-E-Mail

In mehreren persönlichen Telefonaten mit dem Geschäftsführer der Firma Apex versicherte man, diesen Missständen sofort nachzugehen und kündigte mehrfach eine umgehende Stellungnahme durch das Casino-Management-Team an. Innerhalb einer Woche, trotz mehrmaliger Aufforderung, erfolgte trotz vier involvierten Managern der Unternehmen keine Beantwortung oder Stellungnahme.

Als letzten Versuch, kurz vor der Veröffentlichung dieses Berichtes, erreichte die Spielerhilfe erneut den Manager des Unternehmens Apex per Telefon. Als er hörte, wer am Telefon war, legte er einfach auf.

Da es sich bei diesen Vorgängen um äußerst schwere Verstöße handelt, informierte die Spielerhilfe mittlerweile bereits die für Tschechien zuständigen Aufsichts- und Lizenzbehörden.