Manipulieren die Casinos Austria die Glücksspielautomaten? Aktuelle Auszahlungs-Statistiken erhärten den Verdacht

Warum sind am Monatsende die Auszahlungsquoten bei den Glücksspielautomaten wesentlich höher als am Monatsanfang? Und das, obwohl die Casinos in den ersten beiden Wochen viel besser besucht sind? Eine Spurensuche!

Der Spielerschutz-Verein recherchierte intensiv für diesen Bericht. Auf einer eigens eingerichteten Website wurden auch die detaillierten Auszahlungs-Statistiken der Glücksspielautomaten der Casinos Austria veröffentlicht, die eine deutliche Sprache sprechen. Die schwerwiegenden Vorwürfe, dass die Casinos Austria die Glückspielautomaten gezielt steuern und manipulieren, werden durch unsere Recherchen erhärtet. Bisher waren die Casinos allerdings zu keiner Stellungnahme bereit.

Statistiken liefern Informationen über die Payout-Situation

Üblicherweise werden Casinos am Anfang eines Monats und an den ersten Wochenenden deutlich stärker besucht als in der zweiten Monatshälfte. Also müsste es in diesen Zeiträumen bei den Glücksspielautomaten eine deutlich höhere Auszahlungssumme geben als gegen Ende der Monate. Wo naturgemäß wesentlich weniger Geld in die Geräte gesteckt wird. Denn laut Casinos-Webseite haben die Geräte im jährlichen Durchschnitt eine Auszahlungsquote von rund 93 % des Umsatzes. Die Statistik besagt allerdings etwas anderes.

Schwächer besuchte Tage unter der Woche weisen oft höhere Auszahlungsbeträge aus, als hoch bespielte Tage an Wochenenden. Tage gegen Ende des Monats zeigen in anderen Fällen oft ähnliche Gewinne wie am Beginn des Monats, obwohl zu diesem Zeitpunkt einerseits deutlich weniger Gäste anwesend und andererseits an diesen Tagen niedrigere Einspielergebnisse zu verzeichnen sind.

Wir haben uns auf Spurensuche begeben und festgestellt, dass am Monatsanfang die Auszahlungen wesentlich schlechter sind als am Monatsende, wenn die Casinos schlechter besucht sind. Höhere Gewinnausschüttungen sorgen dann dafür, dass die Spieler länger an den Automaten bleiben, auch wenn ihre finanzielle Lage angespannt ist.

In den folgenden Statistiken sehen Sie die Gesamtsumme pro Tag (in Euro) in einem Casino, die bei den Automaten ausgezahlt wurde:

Casino Seefeld

Ein Anstieg der Auszahlungen ist zu Zeiten von viel Einwurf (Monatsanfang) nicht sichtbar.

Auszahlungen Casino Seefeld

Casino Velden

Hier zeigt sich ein ähnliches Bild. Mehr Einwurf in die Automaten bedeutet – trotz Auszahlungsquote – offenbar nicht, dass es zu höheren Auszahlungen kommt.

Auszahlungen Casino Velden

Casino Bregenz

Offensichtlich der mit Abstand umsatzstärkste Standort. Die Ausschüttungen stehen offenbar in ebenso keinem zeitlichen Zusammenhang mit gut besuchten Tagen. 

Auszahlungen Casino Bregenz

Stellschrauben bei Häufigkeit und Höhe der einzelnen Gewinne

Neben der Gesamtsummen-Statistik ist auch ein Blick auf die weiteren Statistiken betreffend Häufigkeit und Höhe von Gewinnen interessant.

Wie Insider berichten, muss eine Steuerung der Automaten nicht zwangsläufig bedeuten, dass direkter Einfluss auf die Payout-Prozente genommen wird. Es können auch andere Parameter gesteuert werden. Das hat nur eine indirekte Auswirkung auf die ausbezahlten Prozentsätze und ist offenbar ein beliebtes rechtliches Schlupfloch. Beeinflusst werden dabei die Häufigkeit und die Höhe der Gewinne, aber nicht die Prozentsätze selbst. Für die Spieler ist das dennoch nachteilig.
 
Die folgende Statistik zeigt die Häufigkeit von Hochgewinnen für den Standort Linz.

Casino Linz

Die Häufigkeit von Gewinnen ist sehr stark schwankend.

Auszahlungen Casino Linz
Stark schwankend ist ebenso die durchschnittliche Gewinnsumme je Hochgewinn.
 
Die folgende Statistik zeigt die durchschnittliche Gewinnhöhe (in Euro) bei Hochgewinnen für den Standort Linz.

Casino Linz

Eine weitere Stellschraube stellen die Portionierungen dar. Also die durchschnittliche Höhe eines einzelnen Hochgewinns.

Auszahlungen Casino Linz - Gewinnhöhen

Kontrolliert das Finanzministerium die Glücksspielautomaten?

Insider berichteten häufig, dass die Standorte der Casinos Austria nur selten und oberflächlich vom Finanzministerium geprüft werden. Und in den meisten Fällen geht es dabei um abgabenrechtliche Prüfungen. Man kann also davon ausgehen, dass es keine oder nur unzureichende Prüfungen bei den Automaten selbst gibt.

Kontrollen der Automaten seitens Aufsichtsbehörden

Bei den Glücksspielbetreibern, die nicht zu den Casinos Austria gehören, wird sehr wohl kräftig geprüft. Quelle: BMF Glücksspielbericht.

Bei den Unternehmen, die nicht zu den Casinos Austria gehören, sieht es ganz anders aus. Hier wird nämlich kräftig geprüft. Das Finanzministerium verweist zu diesem Thema auf den Glücksspielbericht 2017-2019.

Daraus ergeben sich einige brisante Fragen: Gibt es überhaupt technisch fundierte Überprüfungen der Geräte bei den Casinos? Gibt es beim Finanzministerium geschulte Personen, die ausreichend Erfahrung besitzen, um diese Geräte zu überprüfen? Und wenn es Überprüfungen gibt, welche konkreten Parameter und Daten werden ausgelesen? Auf diese Fragen antwortete das Finanzministerium, dass “aufgrund der abgabenrechtlichen Geheimhaltungspflicht keine Auskunft über Kontrollen bei einzelnen Steuerpflichtigen (den Casinos Austria, Anm.) gegeben werden kann”.

Je später der Monat, umso vorteilhafter die Auszahlungsquoten

Oder anders gesagt: Je früher der Monat, desto schlechter sind in der Regel die Auszahlungsquoten der Geräte eingestellt. Das bestätigen gut informierte Insider gegenüber der Spielerhilfe. Ziel ist es, am Monatsanfang viel Geld einzunehmen. Und zu einem späteren Zeitpunkt des Monats die Aufenthaltsdauer der Gäste zu erhöhen, wodurch sich der Umsatz- und damit Profit erhöht.

Zu dem Zeitpunkt ist die finanzielle Lage der Kunden meist schon angespannt. Aber je länger der Gast am Automaten spielt, umso höher die Einnahmen. Denn knapp 7% werden bei jedem einzelnen Spiel bei den Casinos als “Hold” einkassiert. Ganz gleich, ob der Gast dabei nur wenig oder viel von seinem eigenen Geld einsetzt. Jede Drehung der Walzen nimmt langfristig ca. 7% des Spielumsatzes.

“Natürlich können Glücksspielautomaten gesteuert werden”

Glücksspielautomaten sind Computer. Sie haben bereits seit längerer Zeit zusätzlich zum notwendigen Stromkabel ein Netzwerkkabel angeschlossen, das sie mit einer zentralen Management-Software verbindet. Bei den Casinos Austria sind die Geräte zu einem Großteil an eine Server-Software angebunden.

Ein Branchen-Insider bestätigt unsere Annahme: “Natürlich sind die Glücksspielautomaten steuerbar”. Doch die Casinos wollen nach wie vor keine unserer Anfragen beantworten. Das Finanzministerium sagt, dass es zu keiner künstlichen Steuerung kommt. Was jedoch nicht bedeutet, dass es gar keine Steuerung gibt.

Anbindung an das Bundesrechenzentrum

Im Rahmen unserer Recherche beim Finanzministerium gab ein Sprecher bekannt, dass 2010 die Automa tenglücksspielverordnung in das Glücksspielgesetz aufgenommen wurde. Der Grund dafür waren Manipulationsvorwürfe aus der Branche. Seither werden die Daten von den Automaten an das Bundesrechenzentrum gesendet und dort gespeichert. Welche Behörden und Personen konkret auf die gespeicherten Daten Zugriff haben ist nicht bekannt. Sie könnten möglicherweise die Manipulation nachweisen.

Übrigens: Sogar die Stabsstelle für Spielerschutz im Finanzministerium, deren eigentliche Aufgabe Spielerschutz ist, hat Aufwand und somit Geld für Beratung im Zusammenhang der Anbindung an das Bundesrechenzentrum beigesteuert.

Strafrechtliche Relevanz: Legale versus illegale Betreiber

Ende September kam es zu einer Razzia beim illegalen Glücksspielbei der laut Standard 177 Glücksspielgeräte beschlagnahmt wurden. Der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Wolfgang Haim, sagte im Rahmen der Berichterstattung  gegenüber der APA: “Wir haben über ein Jahr ermittelt, weil der Verdacht besteht, dass die Spielgeräte technisch so manipuliert sind, dass der Gewinn für die Betreiber maximiert wird.

Eine Manipulation von Automaten ist bei illegalen Betreibern also auch strafrechtlich relevant. Und zwar zusätzlich zu den Verwaltungsstrafen für den Betrieb des illegalen Glücksspiels.

Für die Casinos Austria gelten offenbar andere Regeln. Sie müssen als konzessionierter Anbieter von Glücksspiel am Jahresende im Durchschnitt eine festgelegte Auszahlungsquote erreichen. Doch durch die Steuerung und Manipulation der Geräte bleiben die spielenden Gäste länger an den Geräten. Das erhöht den Profit der Casinos enorm. Zum Leid der Spielsüchtigen, denn auch die Verluste für einzelne Gäste sind so deutlich höher als es beim Zufallsprinzip der Fall wäre.

Das Gesetz erlaubt legalen Anbietern, die Auszahlungsquoten von Automaten anzupassen, solange sie im Rahmen einer erlaubten Schankungsbreite liegen. Das Finanzministerium betont jedoch gegenüber der Spielerhilfe, dass diese Veränderung nicht “einfach so” geschehen kann. Insider sprechen davon, dass eine Änderung dieser Parameter vorab vom Betreiber gemeldet werden muss. Als die Spielerhilfe weitere Fragen dazu an das Finanzministerium stellte, hielt man sich dort jedoch bedeckt.

Die Casinos Austria gab trotz mehrfacher Anfragen bisher keine Stellungnahme ab.
 
Die Zahlen in den Statistiken stammen von einer direkten Quelle bei den Casinos Austria und betreffen ausschließlich die Glücksspielautomaten. Kleingewinne an den Geräten sowie Auszahlungen der Fort-Knox Jackpot-Automaten sind in den Statistiken nicht enthalten.