Spieler aus Österreich können aufgrund mehrerer Urteile des Obersten Gerichtshofs ihre Glücksspiel-Spielverluste in Spielerklagen rückfordern. In vielen Fällen kein leichtes Unterfangen. Der Betreiber bwin, der seine unternehmerischen Wurzeln in Österreich hat, wählt nun offenbar eine neue kostensparende Strategie und vergleicht sich mit den Spielern außergerichtlich – und zwar noch bevor ein Anwalt ins Spiel kommt.

Bei Verlust: Geld zurück

Seit dem Jahr 2017 urteilt der Oberste Gerichtshof mehrfach, dass ausländische Online-Casino-Betreiber in Österreich als illegal anzusehen sind und ihre Ausspielungen unerlaubt anbieten. Auf diese Urteile stützen sich unzählige Klagen. Eingebracht werden diese von Anwälten von Spielern, die beim Online-Glücksspiel Geld verloren haben und dieses rückfordern möchten. Doch nicht alle Betreiber bezahlen im Anschluss an ein Gerichtsurteil.

Aus den Rückforderungen von Spielverlusten ist ein äußerst lukratives Geschäft entstanden. Anwälte und Prozessfinanzierer verdienen an diesem Vorgehen sehr gut. Bis zu 37% der Spielverluste führt der Spieler und Kläger an den einzelnen Prozessfinanzierer im Erfolgsfall ab, dafür bleibt er im Gegenzug aber auf keinem Kostenrisiko sitzen. Gerichtsverhandlungen dauern oft nur wenige Minuten. Die Betreiber versuchen mit umfangreichen Argumentationen das Glücksspielmonopol als unionsrechtswidrig darzulegen, scheitern damit aber und verlieren vor Gericht.

Bwin vergleicht sich mit Spielern direkt

In mehreren der Spielerhilfe vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass die Firma bwin sich mit ihren Spielern direkt vergleicht. Noch bevor ein Anwalt oder Gericht ins Spiel kommt. Viele andere Betreiber zahlen währenddessen trotz Urteil gar nicht mehr, da eine kürzlich durchgeführte gesetzliche Änderung in Malta vor ausländischen Gerichtsurteilen schützt. Weshalb wählt bwin also diese Methode und bezahlt Spielern weiterhin Teilbeträge zurück?

„Einerseits ist es für das Unternehmen vielfach günstiger sich direkt zu vergleichen, als zusätzlich Gericht und Anwälte finanzieren zu müssen. Auf der anderen Seite hofft man wohl auf eine Online-Glücksspiel-Lizenz für Österreich und versucht in Hinblick darauf vermutlich, gerichtlich nicht wegen illegalem Glücksspiel verurteilt zu werden.“

sagt Christoph Holubar, Obmann der Spielerhilfe.

Wie einfach und simpel sich das Unternehmen mit seinen spielenden Kunden aus Österreich vergleicht, ist interessant. Die Kunden sendeten eine einfache E-Mail an die Support-E-Mail Adresse von bwin und sagten, dass sie ihr Geld zurück haben möchten. Die Unterlagen liegen der Spielerhilfe vor. Darauf berufen sich die Absender darauf, dass sie eine berechtigte Forderung gegenüber bwin haben, da diese ihr Glücksspiel in Österreich unerlaubt und illegal angeboten haben. Auf Anfrage bei Entain/bwin teilt ein Sprecher mit: „Wie Sie wissen, können wir keine laufenden rechtlichen Angelegenheiten kommentieren.“

„Was stellen Sie sich vor?“

Innerhalb weniger Stunden reagierte das Support-Team von bwin und teilte mit, dass die Anfrage an eine andere zuständige Abteilung weitergeleitet wurde. Einen Tag später läutet das Telefon. „Was stellen Sie sich vor?“ wurde ein Spieler gefragt. „50% vom verlorenen Betrag“, sagte er. Bwin stimmte zu. Kurze Zeit darauf folgte eine weitere E-Mail mit dem fertigen Vergleichsangebot zur Unterzeichnung. Innerhalb von 4-5 Tagen erhielten die Spieler ihr Geld zurück. Im Vergleich zu vielen anderen Online-Betreibern eine problemlose Abwicklung. 

Doch warum ist das Glücksspiel-Angebot von bwin noch immer in Österreich abrufbar? Im Januar 2023 kündigt der Mutterkonzern Entain in einer Pressemitteilung an, bis zum Jahresende 2023 aus allen national unregulierten Märkten auszusteigen und sein Angebot dort einzustellen. Man will also ab Anfang 2024 seine Einnahmen zu 100% aus regulierten Märkten generieren. Mit Stand per 19. Januar 2024 ist eine Registrierung bei bwin aus Österreich noch immer möglich und auch das Glücksspiel-Angebot gibt es weiterhin. In Österreich ist nach wie vor lediglich das Online-Casino-Angebot der Österreichischen Lotterien mit der derzeit einzigen Online-Lizenz als legal anzusehen. Ein Sprecher von Entain/bwin übermittelte auf Anfrage dazu die Information, dass die eigenen Glücksspiel-Produkte auch in Märkten angeboten werden, „die sich in einem laufenden Regulierungsprozess befinden. Österreich fällt ebenfalls unter diese Kategorie.“

Spielerhilfe: „Dringender Handlungsbedarf“

Nach Ansicht des Spielerschutz-Vereins Spielerhilfe ist es längst überfällig, den Online-Bereich zu reformieren. Das Finanzministerium bleibt bei der Bekämpfung illegaler Online-Anbieter weitgehend untätig und der Spielerschutz wird so nicht sichergestellt:

„Es besteht dringender Handlungsbedarf. Die Bekämpfung illegaler Online-Anbieter und rechtliche Reform des Glücksspielgesetzes sind längst überfällig. Der Spielerschutz ist angesichts der zehntausenden ausländischen Glücksspiel-Seiten, die ohne österreichische Regulierung wie im wilden Westen bei uns anbieten, in keinster Weise sichergestellt. Unzählige Menschen fallen in die Spielsucht und verspielen bei genau diesen Betreibern ihre Existenz.“

sagt Christoph Holubar von der Spielerhilfe abschließend.

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