Die staatliche Beteiligungsgesellschaft, kurz ÖBAG, verwaltet 33,2% der Anteile an den Casinos Austria im Auftrag für den österreichischen Staat. Doch die Anzeichen mehren sich, dass die ÖBAG nicht im Interesse des Steuerzahlers mit den Unternehmensanteilen agiert. Weder ÖBAG noch die Casinos Austria gehen gegen illegale Online-Glücksspiel-Betreiber vor.

Im Sumpf der Skandale

Bekannt wurde die Staatsholding unrühmlicherweise durch die Skandale rund um ihren Ex-Vorstand „Handymann“ Thomas Schmid („Ich liebe meinen Kanzler“), der als alleiniger Vorstand die Geschäfte leitete. Als der öffentliche Druck aufgrund der bekanntgewordenen Chats letztlich zu groß wurde, verließ Schmid das Unternehmen und Christine Catasta folgte ihm und übernahm als Interims-Vorstand im Juni 2021 die Führung der ÖBAG.

Die langjährige Wegbegleiterin, Vertraute und Ex-Assistentin Schmids, Melanie Laure, ist nach wie vor für die Gesellschaft tätig. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit. Am 5. Oktober des heurigen Jahres wurde auf Anordnung der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung bei ihr durchgeführt, wie der Kurier berichtete.

Die Gesellschaft steht seit Beginn der Skandale rund um ÖVP-nahe Politiker, Untersuchungsausschuss und Bekanntwerden von Teilen der über 300.000 Chat-Nachrichten aus dem Handy von Ex-ÖBAG-Vorstand Thomas Schmid stark in der Kritik.

Multi-Funktionärin Catasta

Die nunmehrige Interims-Chefin Christine Catasta ist vielbeschäftigt. Abgesehen von ihrer Tätigkeit bei der Staatsholding hat sie viele weitere aufrechte Beschäftigungen anzuführen. Aufsichtsratsfunktionen bei der Bundesimmobiliengesellschaft, OMV, A1, Casinos Austria, Verbund oder den Austrian Airlines sind nur einige davon.

Catasta ist auch eine wesentliche, zentrale Figur für die Spielerhilfe. Immerhin ist sie derzeit verantwortlich für die rund 33 Prozent der Unternehmensanteile der Casinos Austria für den österreichischen Staat. Sie bekleidet auch eine Funktion im Aufsichtsrat der Casinos Austria. Deshalb versuchte der Spielerschutz-Verein mehrfach eine Kontaktaufnahme mit der ÖBAG und Catasta.

Ihr gefiel der Beitrag über das manipulierte Glücksspiel bei den Casinos Austria so gut, dass sie sogar auf Gefällt mir drückte. Mehrere Versuche einer Kontaktaufnahme von Seiten der Spielerhilfe scheiterten jedoch. Weder über LinkedIn, noch via E-Mail kamen Rückantworten. Der Spielerschutz dürfte – ähnlich wie für die Casinos Austria selbst – daher für die ÖBAG keine besonders große Rolle spielen, so die Meinung der Spielerhilfe.

LinkedIn

Verstrickung von Interessen

Die Staatsholding führt auf ihrer Webseite das Ziel der Staatsholding klar und eindeutig an:

Die ÖBAG verwaltet das Vermögen der Österreicherinnen und Österreicher sicher und stabil

Seit Juni 2020 versucht die Spielerhilfe mit der ÖBAG in Kontakt zu treten. Es geht immerhin um schwerwiegende Vorwürfe gegen die Casinos Austria und somit Beteiligungen der Staatsholding. Etwa um die Manipulation des Glücksspiels und grobe Verfehlungen beim Spielerschutz. Ein Eigentümer wie die ÖBAG, die angeblich im wirtschaftlichen Interesse agiert, hätte auf alle Fälle Interesse an diesen Informationen.

Nicht so aber die ÖBAG. In mehreren Anfragen kam keinerlei Rückmeldung. Die Wirtschaftlichkeit und die Wertsicherung für den Steuerzahler steht wohl nicht ganz oben auf der Prioritätenliste, so die Meinung der Spielerhilfe.

Viel mehr ortet der Spielerschutz-Verein eine Verstrickung von Interessen. Der Aufsichtsratspräsident der ÖBAG, Helmut Kern, hatte bis Bekanntwerden eine Beteiligung beim Glücksspielbetreiber bwin. Brisant ist der Umstand deshalb, da dieser Betreiber Glücksspiel in Österreich anbietet und laut diverser Medienberichte als illegal gilt, da er in Österreich über keine entsprechende Konzession verfügt. Kern legte seine Funktion bei bwin zurück, wie der Standard berichtete.

Kern pflegt internationale Top-Kontakte mit weiteren Betreibern, die in Österreich im Bereich des Glücksspiels als illegal bezeichnet werden. So wurde erst vor wenigen Tagen bekannt, dass Kern die Tipico-Geschäftsführerin als Casinos Austria-Nachfolgerin für Glatz-Kremsner vorgeschlagen haben soll. Dies berichtete die Tageszeitung Kurier.

Sind die Kontakte und Interessen Kerns ein möglicher Grund dafür, dass die ÖBAG im Bereich der Nicht-Bekämpfung der illegalen Online-Betreiber tatenlos zusieht?

Eine Stellungnahme von Helmut Kern lag uns bis zum Erscheinen dieses Artikels keine vor.

Chancen für Casinos Austria-Sorgenkind bewusst ignoriert?

Wirklich brisant wird es an dem Punkt, wo es um das staatliche Eigentum an den Casinos Austria geht. Die ÖBAG hält immerhin mehr als 33 Prozent an diesem Unternehmen, im Auftrag des Staates. Ziel ist die Wertsteigerung dieser Beteiligungen.

Die Casinos Austria haben beste Chancen, ihr ohnehin schwächelndes Geschäft bei der Online-Plattform win2day drastisch zu verbessern. Laut gesicherter Rechtsprechungen des Obersten Gerichtshofes sind alle Online-Glücksspiel-Betreiber – mit Ausnahme des eigenen Angebotes win2day – unzulässig.

Mittels Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb könnte das Unternehmen schon seit vielen Jahren durch Beantragen einstweiliger Verfügungen gegen diese Betreiber eine Abschaltung der Angebote erwirken. Dieser Schritt hätte Experten zufolge große Auswirkungen auf win2day, die daraus resultierend mit deutlich mehr Geschäft rechnen könnten. Laut einem Bericht des Magazins profil schöpfen die illegalen Betreiber aktuell drei Viertel des Geschäftes in Österreich ab. Der einzig legale Betreiber – win2day – kommt nur auf ein Viertel des Volumens.

Es geht um hunderte Millionen Euro pro Jahr, die an die ausländische Konkurrenz verloren gehen. Dabei würden die Casinos Austria dieses Geld äußerst dringend benötigen, immerhin leitete Glatz-Kremsner eine massive Restrukturierung mit den Namen Re-fit ein, da das Unternehmen erst kürzlich erneut in wirtschaftliche Turbulenzen geraten ist. Auch Glatz-Kremsner bleibt bei der illegalen Konkurrenz untätig. Ein Missmanagement.

ÖBAG ignoriert Nachrichten

Weder der Vorstand der ÖBAG, Christine Catasta, noch die Medienstelle reagierte bis heute auf diese Informationen. Die ÖBAG wollte bisher keine Stellungnahme zu den Punkten abgeben, ebenso wie die Casinos Austria.

Agiert die staatliche Beteiligungsgesellschaft wirklich im Interesse des Steuerzahlers, oder hindern Verstrickungen und andere Interessen die Arbeit der Gesellschaft?

Das Ergebnis langer Recherchen der Spielerhilfe ist, dass es im Bereich des Glücksspiels offensichtliche Verflechtungen gibt. Abhängigkeiten, Gegengeschäfte oder politische Verankerungen sind offensichtlich daran Schuld, dass die teilstaatlichen Casinos Austria nicht gegen illegale Glücksspielbetreiber vorgehen. Zu ihrem eigenen Nachteil. Zum Nachteil der Steuerzahler in Österreich.

Die ÖBAG trifft hier als Miteigentümer eine Mitschuld, da sie so auf eine deutliche Wertsteigerung der Beteiligung verzichtet.