Sicher spielen ohne Risiko. So bewirbt Wunderino sein Angebot auf der eigenen Webseite. Doch die Realität beim Anbieter mit Lizenz aus Malta sieht dunkel aus.

In Österreich agiert der Betreiber „Wunderino“ mit Malta-Lizenz illegal. Er besitzt keine Lizenz für den Betrieb seines Online-Angebotes in Österreich. In Deutschland hingegen wird er von der Landesbehörde Schleswig-Holstein als für das Land Schleswig-Holstein legaler Online-Anbieter geführt. Doch der Anbieter zeigte im Rahmen von durchgeführten Tests keinerlei aktive Spielerschutz-Maßnahmen.

„Lehne dich entspannt zurück und spiele Dich nach Lust und Laune durch unsere kunterbunten Welten“

so Wunderino auf seiner Webseite

Entspannung pur: 13.000 Euro Verlust innerhalb von 36 Stunden

Ob spielsüchtige Spieler bei Wunderino tatsächlich so entspannt sind, wie die Werbung verspricht, darf bezweifelt werden. Denn beim Casino-Betreiber zeigt sich, dass es keinerlei proaktive Spielerschutz-Maßnahmen gibt. Ein Spieler konnte innerhalb von nur 36 Stunden mehr als 13.000 Euro verspielen. Anstatt im Zeichen für Spielerschutz aktiv zu werden, wurde die Person mit Gratis-Bonus-Guthaben versorgt, damit diese weiterspielen kann. Eine Nachfrage betreffend persönlichem Wohlbefinden, Herkunft des Geldes oder persönlicher finanzieller Verhältnisse blieb aus. Der Spielerschutz und die Sicherheit der Kunden spielt bei Wunderino ganz offensichtlich keine Rolle.

Nach dem großen Verlust von 13.000 Euro zeigte sich der Anbieter Wunderino von seiner spendablen Seite und schenkte in Summe 300 Euro kostenloses Spielguthaben. Dies ist das Gegenteil von Spielerschutz, denn bei solch immens hohen Summen in so kurzer Zeit sollten beim Anbieter alle Alarmglocken läuten. Stattdessen hörte man offenbar lediglich die eigene Kassa klingeln. Anstatt die betreffende Person sofort zu sperren, versorgte man sie mit Gratis-Guthaben, was die Spieldauer verlängert und das Suchtverhalten weiter befeuert.

Bonus nach großem Verlust

Anfangsgewinne verlocken zum Weiterspielen

Im Rahmen der umfangreichen Testserie stellte die Spielerhilfe fest, dass es besonders zu Beginn Anfangsgewinne gab. Dabei muss es sich jedoch um unglaublichen Zufall sowie Glück unserer 15 durchgeführten Tests handeln, denn in 14 Fällen davon konnten Anfangsgewinne erzielt werden. Wäre es kein Zufall, würde das bedeuten dass die Spielautomaten in den betreffenden Online-Casinos gesteuert werden. Doch dies bestritten alle Casinos vehement, so auch Wunderino. Es handle sich ausschließlich um Zufall. Per Chat teilte Wunderino mit, dass „die Spiele auf Zufall basieren und darauf keinerlei Einfluss genommen werden kann“.

Zufällige Anfangsgewinne 1
Zufällige Anfangsgewinne 2
Zufällige Anfangsgewinne 3

Werbezusendungen, obwohl ausdrücklich nicht erwünscht

Obwohl bei der Registrierung angegeben wurde, keine Werbung erhalten zu wollen, kamen laufend Zuschriften. Sowohl via SMS als auch per E-Mail. Und zwar beinahe täglich. Der Versuch der Abmeldung von den Werbungen scheiterte mehrfach. Ein Umstand, den bereits Spielsüchtige, die sich an die Spielerhilfe gewendet haben, kritisierten. Sie würden so in ihrer Sucht ständig motiviert, erneut zu spielen. Immer in den Werbebotschaften mit dabei: Bonis, Freispiele und die Hoffnung, die Pechsträhne zu beenden. Dabei handelt es sich aus Sicht von Spielerschutz um äußerst bedenkliche Vorgänge.

Wunderino sendet trotz fehlendem Einverständnis Werbung 1
Wunderino sendet trotz fehlendem Einverständnis Werbung 2
Wunderino sendet trotz fehlendem Einverständnis Werbung 3

Künstliche Verzögerung bei Auszahlungen von Gewinnen

Der Anbieter wendet ebenso offensichtlich Tricks an, Auszahlungen von Gewinnen zu verzögern. Bei mehreren Auszahlungen kam es zu äußerst langen Wartezeiten. Interessant ist der Umstand, dass bei 2 gleichzeitig aufgeteilten Auszahlungen immer jene relativ rasch bearbeitet wurde, die eine kleinere Summe aufwies. Die eingestellte Reihenfolge der Auszahlungen spielte dabei keine Rolle. Die zweite Auszahlung wurde hingegen zurückgehalten, wohl in der Hoffnung dass spielsüchtige Kunden das Geld wieder verspielen. Dazu genügt ein Klick auf den „Abbrechen“-Knopf neben der Auszahlung. Das Geld landet so in Sekunden wieder auf dem Spielerkonto, das Spiel kann weitergehen.

Auszahlungen werden künstlich verzögert 1
Auszahlungen werden künstlich verzögert 2
Auszahlungen werden künstlich verzögert 3

Aktiver Spielerschutz bei Wunderino defacto nicht existent

Die vorliegenden Daten und Unterlagen zeigen eindeutig, dass Wunderino keinen aktiven Spielerschutz betreibt. Der Anbieter richtet sich danach ausschließlich nach den äußerst notwendigen, sehr niedrigen Vorgaben der gesetzlichen Lage in Malta. Lediglich Selbstlimitierungen kann sich eine spielsüchtige Person einrichten, sofern sie dazu aufgrund der Sucht noch in der Lage ist. Diese Vorkehrungen ordnen wir unter passive Spielerschutzmethoden ein. Interessant ist der Umstand, dass eine gewünschte Selbstsperre per E-Mail angefordert werden muss, wobei die anderen Maßnahmen direkt online einstellbar sind. Offenbar eine weitere, gewünschte Hürde.

Trotz immenser Verluste wurde der Kundendienst nie im Sinne von proaktivem Spielerschutz aktiv. Dies belegt der nachfolgende Kundenservice-Chat mit Wunderino-Mitarbeitern. Wie dieser nicht vorhandene proaktive Spielerschutz in Einklang mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen in Schleswig-Holstein (Deutschland) steht, ist noch nicht eindeutig geklärt. Eine entsprechende schriftliche Anfrage an die dort zuständige Glücksspielaufsicht war zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Beitrages noch nicht beantwortet. Telefonisch konnte die Behörde der Spielerhilfe keine ausreichenden Informationen zur Verfügung stellen.

Wunderino Kundendienst Chat
Selbstlimitierungen 1

Rückforderung von Spielverlusten bei Wunderino

Betroffene Spieler aus Österreich mit Verlusten bei Wunderino können diese über Anwälte rückfordern lassen. Aufgrund der aktuell eindeutigen Rechtsprechung, dass Wunderino ein in Österreich illegales Online-Angebot anbietet. Derzeit bieten unzählige Prozessfinanzierer die risikofreie Rückholung von Spielverlusten an, im Gegenzug für eine Erlösbeteiligung. Das Geschäft ist groß. Die Spielerhilfe steht in Kontakt mit vielen hilfesuchenden Menschen, die online große Verluste erlitten haben. Aus Sicht des Spielerschutz-Vereins ist es wichtig, einen Experten mit der Rückforderung zu beauftragen, der fundiertes Wissen im Glücksspiel-Recht und eine zügige Abwicklung realisieren kann. Den Verein erreichen täglich Zuschriften von Betroffenen, die nach Hilfe suchen und Ratschlägen fragen.

Je höher die Verluste der einzelnen Spieler, umso genauer wird von diesen Personen gezielt nach Informationen gesucht und abgewogen, welche Wahl die besten Chancen für eine erfolgreiche Rückholung der Verluste bringt. Da die Spielerhilfe einen sehr fundierten Einblick in diese Branche hat und mit vielen Betroffenen in Kontakt steht, folgt demnächst ein eigener Beitrag zum Thema der möglichen Rückforderung von Spielverlusten bei illegalen Online-Betreibern.

Österreicher ist Geschäftsführer bei Wunderino

Österreich dürfte im Online-Glücksspiel eine wichtige Rolle spielen. Unternehmen wie bwin oder bet-at-home wurden in und von Österreichern gegründet. Die Interessenvertretung OVWG vertritt in Österreich unzählige illegale Online-Glücksspiel-Anbieter. Und wie der Zufall will, ist auch ein Österreicher Geschäftsführer beim Unternehmen, welches hinter dem Angebot von Wunderino steht. Christoph Nestelberger ist Geschäftsführer der Rhinoceros Operations Ltd. und war zuvor bis Dezember 2020 für ein anderes Glücksspielunternehmen tätig. Zudem hatte er bis Dezember 2020 eine Funktion im Board der Interessenvertretung OVWG.

Nestelberger wurde von uns, genauso wie Wunderino selbst, mit allen oben genannten Themen konfrontiert. Bis Redaktionsschluss lag uns keine Fragebeantwortung sowie Stellungnahme vor.